Hochsensibilität & ADHS

Wenn das Gehirn anders tickt

ADHS und der Weg zu einem Leben, das sich leichter anfühlen darf

Juni 2026 · Nina Oswald

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Viele Frauen beschreiben ein ähnliches Gefühl: dass vieles im Alltag irgendwie schwerer ist als bei anderen. Dass sie sich mehr bemühen müssen, um dasselbe zu erreichen. Dass sie vergesslich sind, sprunghaft, schnell überwältigt von Reizen oder innerer Unruhe. Und dass sie sich dafür schämen, weil von außen betrachtet doch eigentlich alles funktioniert.

Manchmal steckt dahinter ADHS.

Warum ADHS bei Frauen oft erst spät erkannt wird

Das Bild, das viele von ADHS haben, ist das eines unruhigen Jungen, der nicht stillsitzen kann und im Unterricht stört. Dieses Bild hat sich tief eingeprägt, in Schulen, in Arztpraxen, in Köpfen. Und es hat dazu geführt, dass Mädchen und Frauen über Jahrzehnte übersehen wurden.

Denn ADHS zeigt sich bei Frauen häufig anders. Weniger nach außen, mehr nach innen. Weniger Hyperaktivität, mehr Gedankenrasen. Weniger Auffälligkeit, mehr stilles Kompensieren. Viele Frauen haben gelernt, ihre Schwierigkeiten zu verbergen, durch Anpassung, durch Perfektionismus, durch enormen inneren Aufwand. Das kostet Kraft. Und es führt dazu, dass die eigentliche Ursache lange unentdeckt bleibt.

Stattdessen kommen oft andere Diagnosen zuerst: Angststörungen, Depressionen, Erschöpfung. Hinter all dem kann eine bisher undiagnostizierte und deshalb auch unbehandelte ADHS stecken.

Eine Erkenntnis als Wendepunkt

Für viele Menschen bedeutet die Erkenntnis, dass sie ADHS haben könnten oder haben, endlich Klarheit nach langer Unsicherheit über sich selbst. Plötzlich ergibt vieles einen Sinn. Die Schwierigkeiten mit Struktur und Zeit. Das Gefühl, immer hinterherzuhinken. Die Erschöpfung, die entsteht, wenn das Gehirn ständig arbeitet, um das zu kompensieren, was anderen leichter fällt.

Wer eine offizielle Diagnose möchte und braucht, dem sei der Weg über einen Arzt oder eine psychiatrische Fachpraxis empfohlen. Das kann ein wichtiger und entlastender Schritt sein. Aber nicht jeder Mensch braucht ein Papier, um mit sich und seinem Gehirn in Kontakt zu kommen. Manchmal reicht die eigene Erkenntnis, um anzufangen. Um zu verstehen, was gebraucht wird. Und um Unterstützung zu suchen.

Eine ADHS-Diagnose zu stellen ist nicht Teil meiner Arbeit, wohl aber die therapeutische Begleitung, unabhängig davon, ob bereits eine Diagnose vorliegt, ob parallel eine medikamentöse Behandlung läuft oder andere Therapien wie zum Beispiel Ergotherapie begleiten.

Mit dem neurodivergenten Gehirn arbeiten, nicht gegen es

In meiner Arbeit begegne ich ADHS regelmäßig, sowohl bei Menschen, die bereits eine Diagnose haben, als auch bei denen, die mit einem Verdacht kommen und noch keine Abklärung hatten. Und ich erlebe, wie unterschiedlich ADHS sich zeigt und wie unterschiedlich Menschen damit umgehen.

Was fast immer hilft: zu verstehen, wie das eigene Gehirn funktioniert. Was es braucht. Wo es Unterstützung bekommt und wo es sich selbst im Weg steht. Daraus lassen sich gemeinsam Strukturen entwickeln, die nicht von außen aufgezwungen wirken, sondern sich stimmig anfühlen. Strategien im Umgang mit Impulsivität, Zeitgefühl, innerer Unruhe. Wege, den eigenen Rhythmus zu finden und mit mehr Selbstmitgefühl auf sich zu schauen.

Das gilt übrigens nicht nur für Frauen. Auch Männer mit ADHS profitieren von therapeutischer Begleitung, auch wenn die Schwerpunkte manchmal andere sind.

ADHS ist keine Superpower. Aber sie bringt Stärken mit sich.

Ich halte nichts davon, ADHS schönzureden. Sie kann das Leben anstrengend machen, und das darf benannt werden. Gleichzeitig erlebe ich in meiner Praxis und in meinem Umfeld immer wieder, welche besonderen Qualitäten Menschen mit ADHS mitbringen: Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, ein schnelles Erfassen von Zusammenhängen, Empathie, Spontanität. Diese Stärken dürfen wahrgenommen werden. Sie sind ein Teil des Menschen, nicht trotz ADHS, sondern manchmal auch damit.

Sie sind nicht allein damit.

Ein erster Schritt

Wenn Sie das Gefühl haben, dass ADHS ein Thema für Sie sein könnte, oder wenn Sie bereits eine Diagnose haben und sich Begleitung im Umgang damit wünschen, dann nehmen Sie gerne Kontakt auf. Gemeinsam schauen wir, was hilft und was Ihnen guttut.

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